{"id":3241,"date":"2025-01-24T08:51:12","date_gmt":"2025-01-24T08:51:12","guid":{"rendered":"https:\/\/research.swissdigitization.ch\/?p=3241"},"modified":"2025-01-24T09:29:20","modified_gmt":"2025-01-24T09:29:20","slug":"demoscene-wirkung-ist-alles-fake-it","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/research.swissdigitization.ch\/?p=3241","title":{"rendered":"Demoscene &#8211; &#8222;Wirkung ist alles&#8220; &#8211; Fake it! oder Die Algorithmenkunst ohne Source Code"},"content":{"rendered":"\n<p>Ein Teil der Demoscene war ja auch immer die Frage: Wie lasse ich etwas so aussehen, dass es so wirkt als ob. Also wie bringe ich dem Computer etwas bei, f\u00fcr das er gar nicht konstruiert wurde.. Man denke an die Demos auf den 8Bit Computer, die eigentlich gar nicht m\u00f6glich sein sollten oder an den Atari ST mit seinen sehr beschr\u00e4nkten Mitteln und was es f\u00fcr Demos dazu gibt oder wie man alles aus dem Amiga herausholte im Gamedesignbereich, obwohl die Hardware hinter den neueren Consolen hinterher hinkte.  Allgemein waren es meist Themen wie: kein Scrolling, keine Sprites, zu wenig Farben (immer mehr Farben), 3D-Darstellung von Vektor \u00fcber Polygone (mit Transparenzen) bis hin zu Texturen auf Fl\u00e4chen und das selbstverst\u00e4ndlich alles ohne ! 3D-Grafikkarten oder entsprechende Chips.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Computer sind T\u00e4uschungsmaschinen<\/h2>\n\n\n\n<p>Computer sind &#8222;Bildgebende Maschinen&#8220;. Das heisst eigentlich sind sie immer Fake, sie haben die M\u00f6glichkeit Bilder zu generieren nach Regeln. Sie sind damit noch viel abstrakter als etwa das Medium Fernsehen, das zumindest so tut, als sei es &#8218;analogisierte&#8216; Analogwelt &#8211; als gebe es einen direkten Abbildugnsweg vom Analogen zum Endprodukt. Auch wenn selbst ein normaler Film absolut gestellt ist &#8211; und in diesem Sinn gefaked ist. Die K\u00fcchen in Filmen sind leer, ausser dem gerade ge\u00f6ffneten K\u00e4stchen &#8211; der Abfall wurde vorher eingef\u00fcllt &#8211; neuer Trash quasi. <\/p>\n\n\n\n<p>Wir lassen uns also gerne t\u00e4uschen (Medien Magic Circle) oder anders gesagt &#8218;unterhalten&#8216;. Wobei gesagt werden muss, beim Medium Computer war das allein wegen den Aufl\u00f6sungen und den M\u00f6glichkeiten am Anfang v\u00f6llig klar (Audio, Visuell, planare Welten). Hier geht es um (positivistisch) eine andere Welt, die gerne so aussen w\u00fcrde, wie die Analoge (&#8222;echte Welt&#8220;). In diesem Sinn ist es keine bewusste &#8222;T\u00e4uschung&#8220; im Sinne von L\u00fcge. Es war am Anfang eher abstrakt im Sinne von Comics oder einer eigenen minimalistischen Kunst. Und die Interaktivit\u00e4t etwa in Games machte das Medium Computer noch &#8218;analog&#8216; realer &#8211; es ist kein Film mehr, der nur abl\u00e4uft. Die Interfaces sind dabei auch meist sehr viel einfacher als die analoge Welt. Es ist also fast immer ein vereinfachte Welt, die angestrebt wird.  <\/p>\n\n\n\n<!--more-->\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Displays und die Screen-Realit\u00e4t<\/h2>\n\n\n\n<p>Nichts desto trotz bleibt der Output &#8211; und darum funktioniert das ganze auch &#8211; das Mass aller Dinge. Es ist die Realit\u00e4t der Demos und Games (Interface). Es ist also v\u00f6llig gleichg\u00fcltig, wie die Dinge entstehen. Es ist gleichg\u00fcltig, ob die Hardware fast &#8222;abkratzt&#8220; oder wie geplant gem\u00fctlich vor sich hinwerkelt (\u00e4hnlich wie beim Film). Es ist dem Produkt und Endkunden egal, ob der Rechner keine Leistung verbraucht und das ganze als\/mit Sprite daher kommt oder vom Blitter erzeugt wird (und Rechenzeit kostet). Es ist dem Screen letztlich moralisch egal, ob der Programmierer* sich ausgebeutet hat, um diesen oder jenen Effekt zu kreieren. Denn gerade die Sp\u00e4tprodukte der meisten Computerplatfformen, waren eine massive Ausbeutung von beidem: Hardware und Menschen. <\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Hidden Source-Codes<\/h2>\n\n\n\n<p>All das verschwindet hinter dem Display. Und ein Grossteil der Demoscene (gerade weil der Aufwand in die Freizeit verschoben wurde. Gibt es einen Vollzeit Demoscenler*?) arbeitet auch aktiv daran, dass nicht klar wird, wie es funktioniert. <br><br>Demos k\u00f6nnten n\u00e4mlich auch einen Teil haben, wo sie erkl\u00e4ren, wie sie funktionieren, um verstehbar zu werden. Wie funktionieren die Algorithmen. Welche Einschr\u00e4nkungen wurden getroffen, um es so &#8218;ausehen zu lassen&#8216;. Es w\u00e4re gut, man* zeigt, welche Tricks man verwendet:<br>&#8222;Das ist so und so aufgebaut!&#8220;,&#8220;Ach das sind nur 2 Bitplanes statt 4 &#8211; der Effekt ist aber derselbe oder &#8218;ich verwende halt eine nicht allgemeine Linienfunktion, sondern eine hochspezialisierte! Ist schneller&#8220;. <\/p>\n\n\n\n<p>Dies passiert wenig oder ist ausgesondert. Die allermeisten Demos enthalten auch keinen Source-Code direkt in der Demo. Die Frage ist warum nicht? Sch\u00e4mt man sich auf, was man da aufbaut? Will man so clean sein wie m\u00f6glich? Ist der Source-Code nicht so h\u00fcbsch wie das Endprodukt? Warum keine Praxis in den Produtken? <br><br>Ein Durchbrechen der der 3. oder 4.ten digitalen Wand findet selten bis nie statt. Ein Durchbrechen in den Code hinein, soweit bekannt nie (oder?)<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Geniekult und die Magieshow<\/h2>\n\n\n\n<p>Hier wird oft Magie* gespielt, &#8222;wow&#8220;-Effekt, um Magier* zu sein. Es wird dem Geniekult gehuldigt. Die Scener* werden nun sagen: &#8218;Du kannst es ja diassemblieren, wenn es dich so interessiert!&#8216; oder &#8222;Mich mal fragen!&#8220;. Und ja das kann man. Das Endpublikum kann das jedoch nicht. Da ist nur dieses &#8222;Wow&#8220;. Es ist ein BewundertWerden. Ist das der Deal? Ich lass mich t\u00e4uschen und akzeptiere den Magic-Circle? <\/p>\n\n\n\n<p>Oft f\u00fchlt es sich an, als w\u00e4re das Ganze eine Weiterf\u00fchrung der alten Mittelalterguilden, die ihr Knowhow behalten m\u00f6chten. Die Frage ist nur warum? Geld verdienen gibt es nicht. Demoscenekapital schon. Weil man unter sich bleiben will it den Hardcore-Tricks? Eine Gemeinschaft? Weil am Ende der Tage jede Demo halt menschlich ist: Verstehbar und nur als Show richtig funktioniert. Ganz wie die Welten von Houdini, Copperfield und Co. Sie funktionieren alle genau da, aus dieser einen Perspektive und sonst nicht? Und selbst dann, warum soll man es nicht wissen? Ist es nicht interessant, gerade zu verstehen, wie man trickst? <\/p>\n\n\n\n<p>Ist nicht gerade das, das wirklich interessante jenseits des Massenpublikums? Das wie wir &#8222;Trickser*&#8220; arbeiten? Eine Frage, die sich weit auch ins Gamedesign hineinzieht. <\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Gesellschaftliche Perspektive<\/h2>\n\n\n\n<p>Und das ist gerade in einer Zeit wichtig, die von unehrlichen Tricksern wie einigen Politikern \u00fcberschwemmt wird. Einer Zeit in der wir alle mehr und mehr die Konstruktionen verstehen m\u00fcssen in denen wir leben und die uns mitkontrollieren. Wir m\u00fcssen verstehen, wie einfach teilweise die Algorithmenn sind, die das, das, das und sogar das erzeugen. Wir m\u00fcssen anfangen zu verstehen, dass Regelwerke m\u00e4chtig sind, gerade auch im erzeugen von ganzen Weltbildern. <\/p>\n\n\n\n<p><br><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Ein Teil der Demoscene war ja auch immer die Frage: Wie lasse ich etwas so aussehen, dass es so wirkt als ob. Also wie bringe ich dem Computer etwas bei, f\u00fcr das er gar nicht konstruiert wurde.. 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