{"id":4202,"date":"2025-04-28T07:12:19","date_gmt":"2025-04-28T07:12:19","guid":{"rendered":"https:\/\/research.swissdigitization.ch\/?p=4202"},"modified":"2025-04-30T15:42:41","modified_gmt":"2025-04-30T15:42:41","slug":"drueckt-sich-die-demoscene-durch-zahlen-und-algorithmen-aus-kurzdiskussion","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/research.swissdigitization.ch\/?p=4202","title":{"rendered":"Dr\u00fcckt sich die Demoscene durch Zahlen und Algorithmen aus? [KurzDiskussion]"},"content":{"rendered":"\n<p>Immer wieder liest man diesen Satz<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-large\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"2048\" height=\"742\" src=\"https:\/\/research.swissdigitization.ch\/wp-content\/uploads\/2025\/04\/Bildschirmfoto-2025-04-28-um-08.35.00-2048x742.png\" alt=\"\" class=\"wp-image-4203\" srcset=\"https:\/\/research.swissdigitization.ch\/wp-content\/uploads\/2025\/04\/Bildschirmfoto-2025-04-28-um-08.35.00-2048x742.png 2048w, https:\/\/research.swissdigitization.ch\/wp-content\/uploads\/2025\/04\/Bildschirmfoto-2025-04-28-um-08.35.00-300x109.png 300w, https:\/\/research.swissdigitization.ch\/wp-content\/uploads\/2025\/04\/Bildschirmfoto-2025-04-28-um-08.35.00-768x278.png 768w, https:\/\/research.swissdigitization.ch\/wp-content\/uploads\/2025\/04\/Bildschirmfoto-2025-04-28-um-08.35.00-1536x557.png 1536w, https:\/\/research.swissdigitization.ch\/wp-content\/uploads\/2025\/04\/Bildschirmfoto-2025-04-28-um-08.35.00-624x226.png 624w\" sizes=\"auto, (max-width: 2048px) 100vw, 2048px\" \/><\/figure>\n\n\n\n<p><em>\/\/ Aus der &#8222;Dokumentation &#8222;The Art of &#8230; &#8220; siehe unten<\/em><\/p>\n\n\n\n<p>Die Demoscene soll sich also durch Nummern ausdr\u00fccken? <\/p>\n\n\n\n<p>Am Anfang des Prozesses stehen Algorithmen, diese werden meist in einer Programmiersprache geschrieben und dann in Exes, ausf\u00fchrbaren MaschinenCode \u00fcbersetzt. Dieser wird dann ausgef\u00fchrt vom Computer und generiert in der Sprache der Mathematik Geometrie oder anders gesagt Grafik. <\/p>\n\n\n\n<!--more-->\n\n\n\n<p>Der Prozess der Creation hat also erst einmal einen weiteren entscheidenen Schritt zwischen Macher und &#8222;Konsument&#8220;. Die alte Kulturtradition war: Der Kulturhersteller malt ein Bild (dr\u00fcckt sich mit Farbe aus). Dieses wird vom Betrachter angeschaut. Es besteht also &#8218;ein unmittelbarer&#8216; Zusammenhang im Bild, zwischen Betrachter* und Macher*. In der Kirche w\u00fcrde man sagen: Eine heilige Succession (Kontakt). All dies entf\u00e4llt selbstverst\u00e4ndlich, sobald es digital ist. Es ist quasi die analoge Maschine. Diese besteht aus Atomen, die das Bild &#8218;Aufrechterhalten&#8216; oder eben auch Teil des Aufl\u00f6sungsprozesses sind. F\u00fcr viele geht es hier dann um &#8222;Authentizit\u00e4t&#8220; und um das &#8222;Orginal&#8220;, das wichtigste St\u00fcck.<\/p>\n\n\n\n<p>Zur\u00fcck zu den digitalen Produkten, die sie &#8211; fast alle &#8211; kopierbar sind und damit per se schon Massenware sind &#8211; vergleichbar wie B\u00fccher. B\u00fccher nutzen zu ihrer Ausf\u00fchrung auch eine &#8222;Maschine&#8220;: den Menschen. Dieser \u00fcbersetzt, interpretiert oder eher baut sie in der Semiose in sein eigenes Weltbild ein, wobei er eine eigentst\u00e4ndige symbolische Kopie davon in &#8222;seinem Gehirn&#8220; erstellt.<\/p>\n\n\n\n<p>Die auf Computer laufenden Medien operationalisieren diesen Prozess als Turing Maschine und sind in der Lage eben direkt aus Code Geometrie zu erstellen. Einige nennen sie deswegen auch &#8222;Bildgebende Verfahren&#8220; (Kittler und Co). Es besteht nun die Frage: Geht es in der Demoscene um die Ebene des Codes oder um die Ebene des Resultates. Was per se nicht dasselbe ist. Beim klassischen Bild f\u00e4llt das in eins. Zwar dr\u00fcckt man sich mit Farbe aus, aber auch hier ist das Resultat ein Bild aus Farbe. Selten geht es um die Farbe an und f\u00fcr sich, also um das Medium. <\/p>\n\n\n\n<p>Bei digitalen Produkten ist das im ersten Moment nicht anders. Die meisten interessieren sich bei Demos nicht f\u00fcr wie sie gemacht sind. Sie sehen nur die Endprodukte und staunen. Das Staunen wird erh\u00f6ht, wenn dann etwa die Restriktionen dieser &#8222;Kunstwerke&#8220; erkl\u00e4rt werden. Echtzeitgrafik (und -gemoetrie) und nur 4 * 1204 Bytes (auch eine Nerdbeschreibung hier). Hier zeigt sich die &#8218;Handwerkskunst&#8216; der Demoscene oder digitalen Algoscene. <\/p>\n\n\n\n<p> Anders gesagt, die Kunst funktioniert im Kern wie in der klassischen Kunst &#8211; etwas wird ins Wahrnehmbare verschoben. Der folgende Doku-Video zeigt das deutlich:<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-embed is-type-video is-provider-youtube wp-block-embed-youtube wp-embed-aspect-16-9 wp-has-aspect-ratio\"><div class=\"wp-block-embed__wrapper\">\n<iframe loading=\"lazy\" title=\"Documentary on the 80s and 90s Demoscene: The Art Of The Algorithms [FULL]\" width=\"625\" height=\"352\" src=\"https:\/\/www.youtube.com\/embed\/5MexnBunH_g?feature=oembed\" frameborder=\"0\" allow=\"accelerometer; autoplay; clipboard-write; encrypted-media; gyroscope; picture-in-picture; web-share\" referrerpolicy=\"strict-origin-when-cross-origin\" allowfullscreen><\/iframe>\n<\/div><\/figure>\n\n\n\n<p>Auch hier geht es um den Ausdruck. Statt per K\u00f6rper nun neu eben per Zahlen. <br><br>Die Demoscene dr\u00fcckt sich konkret durch Algorithmen aus Zahlen (Digitale Universalmaschine), die Programme sind, aus, die wiederum Zahlen produzieren, die von Computern als Grafik interpretiert werden, die Menschen dann wahrnehmen. <br><br>Interessanterweise wird in der Demoscene die Algorithmen alias Zahlen gar nicht wirklich thematisiert. Sie sind Insiderinformationen, die sehr selten in SourceCodes geteilt werden, sehr selten dokumentiert sind. <a href=\"https:\/\/demozoo.org\/productions\/tagged\/writeup-available\/\">Writeups finden sich noch weniger<\/a>. Die Zahlen also durch die sie sich &#8222;ausdr\u00fccken&#8220; sind hier gar nicht das Ausstellungsmaterial. Sie kommen vielleicht als Diskussionsgrundlage an Demoparties unter Gleichgesinnten vor &#8211; aber sie sind letztlich verborgen. Das Argument, man k\u00f6nne ja den Code diassemblieren &#8211; also zur\u00fcckverwandeln in Code &#8211; sticht dabei nicht wirklich. Denn zum einen ist das letztlich nur mit den Maschinensprachen m\u00f6glich und zum anderen ist auch hier nichts dokumentiert.<\/p>\n\n\n\n<p>All dies f\u00fchrt mehr zur Genie\u00e4sthetik vergangener Jahrhunderte, wo das Genie immer gr\u00f6sser wurde, je weniger der Betrachter* verstand, wie die ganzen Sachen &#8222;funktionieren&#8220; &#8211; ist in einem gewissen Sinn Antiaufkl\u00e4rerisch oder besser Gegenaufkl\u00e4rerisch (Es geht ums Staunen). Diese Auslegung wird noch dadurch gest\u00e4rkt, dass die Demoscene einer weitgehend m\u00e4nnlichen Community entstammte, der es vorallem um Bekanntheit ging innerhalb dieser Scene und fast nur da (Motivationsdesign).<br><br>Und hier finden sich dann auch Zahlen in rauen Mengen, es sind vorallem Statistiken: Wieviele Punkte, Polygone oder Anzahl Texturen. Es sind die Herausforderungszahlen. Das Gespraye von statistischem Hintergrund.<\/p>\n\n\n\n<p>Das durch was sich die Demoscene wirklich ausdr\u00fcckt &#8211; den Code &#8211; kommt wie vorher schon teilweise aufzeigt, eigentlich gar nicht vor in den Demos selbst. Es gibt fast keinen Code in den Demos selbst direkt. Die Zahlen sind nicht da, sie werden eher versteckt, verborgen. Oder sind maximal da als kurze Statments, die man nicht lesen oder verstehen kann. Im besten Fall ist dies lesbar als der Code, der sehr kurz ausgef\u00fchrt wird &#8211; im schlimmsten ist es einfach Gepose.<br><br>Was vorkommt, sind nat\u00fcrlich die gemoetrischen Interpretationen dieser Zahlen &#8211; also digitale Potenzen in Schachbrettmustern oder rotierenden Cuben. Die \u00dcbersetzung von Code und K\u00f6nnen in grossen massigen Scrollschriften oder komplexen Geometrien, die eigentlich nicht m\u00f6glich sein sollten auf solchen Mainstream Computern wie etwa die Homecomputer. <\/p>\n\n\n\n<p>Es gibt also fast keine Tinte, keine Buchstaben, keine Farbe alias Code, Zahlen in Demos. Sie sind &#8222;nur&#8220; Zahlen in ihrer Entstehung aber nicht in ihrem Output in ihrer Wahrnehmung. Im Deutschen k\u00f6nnte man auch sagen: Die Demoscene dr\u00fcckt sich durch Zahlen aber nicht in Zahlen aus. Sie dr\u00fcckt sich durch Zahlen und Algorithmen in Echtzeit in Geometrie aus. <\/p>\n\n\n\n<p>Selbstverst\u00e4ndlich ist das Geschriebene hier unterkomplex. Aber irgendwo muss man anfangen. Des weiteren wurde bis hierhin absichtlich wenig Literatur zum Thema gelesen, damit die Vorstellungen zum Thema nicht vom Diskurs (defiktionalisiert als ChatGPT) gepr\u00e4gt sind und nochmals hingeschaut werden kann. <\/p>\n\n\n\n<p>\/\/ Siehe dazu auch: Josef K &#8230;  <a href=\"https:\/\/research.swissdigitization.ch\/?p=3393\">https:\/\/research.swissdigitization.ch\/?p=3393<\/a> oder CodeDemo <a href=\"https:\/\/www.gamelab.ch\/?p=10984\">https:\/\/www.gamelab.ch\/?p=10984<\/a><br><\/p>\n\n\n\n<p><br><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Immer wieder liest man diesen Satz \/\/ Aus der &#8222;Dokumentation &#8222;The Art of &#8230; &#8220; siehe unten Die Demoscene soll sich also durch Nummern ausdr\u00fccken? Am Anfang des Prozesses stehen Algorithmen, diese werden meist in einer Programmiersprache geschrieben und dann in Exes, ausf\u00fchrbaren MaschinenCode \u00fcbersetzt. 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