{"id":4588,"date":"2025-06-04T12:27:03","date_gmt":"2025-06-04T12:27:03","guid":{"rendered":"https:\/\/research.swissdigitization.ch\/?p=4588"},"modified":"2025-06-04T12:27:03","modified_gmt":"2025-06-04T12:27:03","slug":"forschungsprojekt-verpflichtungen-von-forschenden-allgemeine-ueberlegungen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/research.swissdigitization.ch\/?p=4588","title":{"rendered":"Forschungsprojekt &#8211; Verpflichtungen von Forschenden &#8211; Allgemeine \u00dcberlegungen"},"content":{"rendered":"\n<p>Frage: Wem gilt meine Verpflichtung als Forscher? Der Wahrheit oder der Forschungsgruppe? Nat\u00fcrlich gibt es auch etwas dazwischen. Hier sollen aber dies als Gegensatz diskutiert werden, weil irgendwann der Bruch kommen kann. <\/p>\n\n\n\n<p>\/\/ Folgender Artikel bezieht sich auf verschiedenste Forschungsprojekte der letzten Jahren die der Autor begleitet, an denen er mitgearbeitet oder mitgeleitet hat. Diese Projekte sind selbstverst\u00e4ndlich nicht n\u00e4her beschrieben.<\/p>\n\n\n\n<p>Wissenschaft schafft Wissen. So das Diktum. Meist sehr z\u00e4h, aber dennoch es entsteht meist mehr Wissen &#8211; teilweise auch gegen den Willen der Wissenschaft im Sinne von &#8222;Prozessoren&#8220;. Das ist selbstverst\u00e4ndlich diskutierbar. In einem herrschaftsfreien (was auch sozialfrei sein m\u00fcsste) Raum w\u00fcrde Wissenschaft sich nur an einem orientieren: Der objektivierbaren Wahrheit. Das transzendentale Signifikat dieses Subsystems. <\/p>\n\n\n\n<p>Nat\u00fcrlich ist dies eine v\u00f6llig falsche Vorstellung. Es ist ein &#8218;Idealbild&#8216;. Denn Forschung findet selbstverst\u00e4ndlich in einem sozialen Rahmen statt (ein Rahmen der mit zunehmender AI-Nutzung auch in Entscheidungen wieder diskutiert werden wird). Dieser ist ebenfalls Interessen und Macht getrieben. De Facto bev\u00f6lkern Wissenschaftsinstitution meist nicht die Besten in ihrem Fach, nicht mal die Besten in der Schnittmenge von Wissenschaft, Vermittlung und Lehre. Sondern die in diesem System &#8218;fittesten&#8216;, was meint Angepasstesten. Wobei Anpassung hier nicht nur meint: Anpassen sondern auch &#8211; Eigenstrukturen schaffenden. Der Vorwurf an Wissenschaftliche Institutionen, dass darin einige einen Selbstbedienungsladen sehen, ist vermutlich nicht mal statisch von der Hand zu weisen, ist aber nat\u00fcrlich \u00e4hnlich wie \u00fcberall sonst auch &#8211; siehe etwa Management von Firmen (wo auch der Eigennutz mehr ist, als der Nutzen f\u00fcr das Unternehmen). Wobei die &#8222;Wissenschaft&#8220; zumindest gegen aussen h\u00f6here ethische Standards vertritt. <br><br>Diese Verquickungen von Sozialem und Macht (nat\u00fcrlich ist es letztlich dasselbe) trifft besonders auf Forschungsprojekte zu, das hier Netzwerke eine massive Rolle spielen. Das zeigt sich meist schon bei der Konstituierung eines Forschungsprojektes und dann auch bei der Genehmigung. Die &#8222;Blindheit&#8220; dieser Verfahren ist auch oft in Frage zu stellen. Denn letztlich gibt es meist nicht genug unabh\u00e4nigige Experten. Nichts desto trotz bewegt sich Wissenschaft am Ende. <br><\/p>\n\n\n\n<!--more-->\n\n\n\n<p><br>Wem aber ist nun der Wissenschaftler* verpflichtet, wenn es zu Konflikten kommt (inhaltliche Meinungsverschiedenheiten). In diesem Fall nicht Kommunkationskonflikten. Also wenn es nicht darum geht, dass es ein Missverst\u00e4ndnis ist, sondern eine &#8222;Handfeste&#8220; andere Meinung? Der Wahrheit oder der Forschungsgruppe? Andere Ziele. <br><br>Im Idealfall ist die Sache klar: Es geht um die Wahrheit, um das Fortschreiten von Wissen in diesem Bereich. Der Idealfall ist nat\u00fcrlich ein Idealfall, die Realit\u00e4t ist: soziale Gruppe und Machtverh\u00e4ltnisse. <br><br>Da viele dieser Projekte entstehen als Zusammenarbeit (Forschungsprojekten) und damit verrechnet (gemeinsamen) Zuk\u00fcnften, sind solche Konflikte letztlich nicht austragbar. Das Forschungsprojekt besteht ja geradezu aus einem sozialen Konstrukt &#8211; diesem Projekt. Es besteht in einer minimalen Zusammenarbeit. Aktuell neigen Projekt dazu, Unterschiede als Kommunikationsprobleme darzustellen, statt als Konflikte &#8211; oft nicht aufl\u00f6sbare sogar nicht einmal gemeinsam l\u00f6sbare Projekte. Projekte neigen aber dazu sich ihrem CommonSense hinzugehen, da inhaltliche Konflikte oft vermieden werden. Auch teilweise aus Angst vor der Angegriffenheit der Kontrahenten*. Der Konsens ist einfacher &#8211; kostet nichts und verrechnet auch die Zukunft (nie mehr zusammenarbeiten vs ok dann halt doch so).<br>Das scheint eine L\u00f6sung, wird dann aber zum Problem f\u00fcr das gesamte Projekt. <br><br>Inhaltlich: Ziele k\u00f6nnen nicht erreicht werden. In so einem Fall wird es nat\u00fcrlich schwierig. Weil es einfach nicht weitergeht. Und dies ist nicht nur inhaltlich &#8211; sondern gegen aussen. Es kann teilweise nicht unter dem Teppich gehalten werden. Es muss eigentlich entschieden werden, um weiterfahren zu k\u00f6nnen oder sp\u00e4ter wieder darauf zur\u00fcckzukommen. <br><br>Glaubw\u00fcrdigkeit: Allerdings lange davor  geht es um Glaubw\u00fcrdigkeit. Es geht um die Frage, k\u00f6nnen die Forschunspartner* noch mitmachen, wo ist der Knackpunkt. Ab wann beginnen sich die Leute innerlich von einem Projekt zu distanzieren und nur noch mit den Leuten im Projekt zusammenzuarbeiten, die \u00e4hnlich Standards haben. Das Projekt &#8222;fliesst&#8220; dann um schwierige Projektpartner &#8222;herum&#8220;.  Dies beginnt in vielen Projekten sehr fr\u00fch, weil einfach das gemeinsame Ziel nicht mehr existiert. Das wird ja teilweise diskutiert. <\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">&#8222;Fazit&#8220;<br><\/h2>\n\n\n\n<p><br>Es geht &#8211; also in den wenigsten F\u00e4llen &#8211; um die Wahrheit, das Wissen sondern dann irgendwann nur noch um das soziale &#8222;gemeinsame&#8220; Konstrukt. Das Projekt lebt und kommt langsam vorw\u00e4rts &#8211; lebt aber nur noch von der sozialen Konstruktion.  <\/p>\n\n\n\n<p>Hier m\u00fcsste vielleicht auch dar\u00fcber nachgedacht werden in Projekten, die Projekte splittbar zu machen von Anfang an (ein Plan mit einer Sollbruchstelle Plan B) oder sogar so zu gestalten, dass Personen aus dem Projekt austreten k\u00f6nnten, wenn es f\u00fcr sie nicht mehr etwa ethisch\/moralisch vertretbar ist. Vielleicht sollten sie sogar weiter bezahlt werden. <\/p>\n\n\n\n<p><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Frage: Wem gilt meine Verpflichtung als Forscher? Der Wahrheit oder der Forschungsgruppe? Nat\u00fcrlich gibt es auch etwas dazwischen. Hier sollen aber dies als Gegensatz diskutiert werden, weil irgendwann der Bruch kommen kann. \/\/ Folgender Artikel bezieht sich auf verschiedenste Forschungsprojekte der letzten Jahren die der Autor begleitet, an denen er mitgearbeitet oder mitgeleitet hat. 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