{"id":5298,"date":"2025-08-01T08:42:49","date_gmt":"2025-08-01T08:42:49","guid":{"rendered":"https:\/\/research.swissdigitization.ch\/?p=5298"},"modified":"2025-08-01T08:54:12","modified_gmt":"2025-08-01T08:54:12","slug":"games-in-ihren-anfaengen-ein-genre-von-fantasy-gefeierte-fragilitaet-oder-ein-einigvolk-von-spielenden-notiz","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/research.swissdigitization.ch\/?p=5298","title":{"rendered":"Games in ihren Anf\u00e4ngen: Ein Genre von Fantasy, gefeierte Fragilit\u00e4t oder ein EinigVolk von Spielenden* [Notiz]"},"content":{"rendered":"\n<p><em>Ren\u00e9 Bauer<\/em>, (Hiloko Kato, Beat Suter)<\/p>\n\n\n\n<p>Schaut man sich die ersten Games der Arcades und 8BitHomecomputerzeiten an, wird ein Bruch sichtbar mit vielen elektromechanischen analogen Arcades. Auch die . Sie handeln weit weniger von Krieg und sind weit weniger Simulationen. Diese Automaten waren oft mechanische Simulationen &#8211; anders wird es mit den digitalen Spielen. Ihre Regeln sind nicht mehr nur analog. Hier befreit quasi die &#8222;Digitalisierung&#8220; die Spiele von ihrer analogen Kyberbernetik und damit werden auch neue Themen m\u00f6glich. <\/p>\n\n\n\n<p>Und diese gibt es zu Hauf gerade aus dem Bereich der Fantasyliteratur und Fantasy-Spiele wie DungeonAndDragons. Alles &#8222;wunderbare&#8220; Welten &#8211; die sich von der Realit\u00e4t meist durch Vereinfachungen  unterscheiden. Ihre Regeln sind einfach und lassen so &#8218;Einfach Happy Ends zu&#8216;, einfach Geschichten. Dabei kommen \u00f6fter Stereotypen vor, die nahe an Rassismus grenzen und noch \u00f6fter gibt es eine vorgesehene Geschichte (Fl\u00fcche, Vorhersagen, Gutes Blut, K\u00f6nige). Es geht fast nie um Demokratie. Es sind geradezu eskapstische Welt. Die Frage ist nat\u00fcrlich nur, aus was fl\u00fcchten die 70\/80er Jahre in diese vereinfachten Welten. Gr\u00fcnde muss es genug gegeben haben. Von den Nazis in der Gesellschaft, einer 68Revolution, die nie Fuss fasste, einem aufkommenden Kapitalismus (Markt ist alles), weltweite Konkurrenz, Kriegen, Treibhauseffekt, Industrie, saurer Regen,  einem Kommunismus, der nie einer war in der UDSSR und und und. Dabei funktioniert Fantasy f\u00fcr &#8222;Links und Rechts&#8220; und kritisch genauso. F\u00fcr die einen ist es Fantasy, f\u00fcr die anderen, das was sie gerne h\u00e4tten. Und die meisten Geschichten huldigen dem kleinen Einzelnen oder einer Gruppe (DnD).<\/p>\n\n\n\n<!--more-->\n\n\n\n<p>Es sind perfekte Zeiten f\u00fcr Vereinfachungen in einer komplexen Welt. Diese Fantasy-Welten scheinen pr\u00e4destiniert f\u00fcr Games. Zum einen sind sie vereinfachend und zum anderen sind ihre Probleme l\u00f6sbar. Und sei es &#8211; wenn perverserverweise ein verhinderter K\u00f6nig (weil das Blut in ihm stark ist), es wieder ganz nach oben schafft.  Es sind teilweise faschistische Geschichten. Aber all das st\u00f6rt nicht. Es ist vielmehr als fl\u00f6ssen, die alten Ideen weiter (wie oben schon erw\u00e4hnt). F\u00fcr die einen allerdings mit einem Unterschied: Es war nun Fantasy und damit Fiktion und nicht mehr gewollte Lebensrealit\u00e4t.<\/p>\n\n\n\n<p>Fantasy funktioniert mehrheitlich mit einfachen Regeln oder anders gesagt mit &#8218;einfachen Ver\u00e4nderungen&#8216; von existierenden &#8222;Settings&#8220; etwa dem Mittelalter. Da wird oft eine Konstruktion des Mittelalters genommen und ein paar Dinge neu hinzugef\u00fcgt wie etwa Drachen. Dabei erscheint nat\u00fcrlich dies klar. In den Erz\u00e4hlungen des Mittelalters g\u00e4be es doch auch Drachen (wobei da eigentlich viele Lindw\u00fcrmder unterwegs waren). Aber sei es drum. Das Fiktionale darf &#8218;Gott sei Dank&#8216; alles, andersherum hat ja gerade die Vernunft Europas und die Aufkl\u00e4rung all das vertrieben und es gibt keine Drachenfester anders als in Asien mehr. Anders gesagt: Es ist auch eine Wiederentdeckung Europas oder wenn man Anh\u00e4nger von Freud w\u00e4re: Das zivilisatorisch Verdr\u00e4ngte darf weiterleben. Eine andere Form vom Prinzip &#8222;Hoffnung&#8220;. <\/p>\n\n\n\n<p>Nicht desto trotz bleiben diese Welten gerade fragil. Es sind Lokallogiken und keine grossen W\u00fcrfe. Sie bleiben Inseln im Allt\u00e4glichen und sie f\u00fchren damit &#8211; wie oben angedeutet &#8211; nat\u00fcrlich die Fiktionen und das &#8222;Spiel&#8220; mit M\u00f6glichkeiten weiter. Sie individualisieren auch das eigene Leben im Grossen und Ganzen: Denn hier wird jeder zum Held*. Sei es alleine oder in der Gruppe bei DnD. <\/p>\n\n\n\n<p>Im Zeitalter der sich kulturelle, politisch und technisch immer mehr durchsetzenden Kybernetik sind diese Themen eigentlich Key. Und eben auch fragil. Denn jede Regel in Fantasy ist fraglich. Kommt man mit der Realit\u00e4t, ist alles weg. Man muss also fest &#8222;fiktional&#8220; glauben. Das Commitment an diesen Magic Circle muss gross sein.<\/p>\n\n\n\n<p>Das vor allem Heimcomputergame \u00fcbernimmt diese Inhalte gerne, zumal sich darin auch die eigene technische Bedingtheit spiegelt oder einfach gesagt: Einfach umsetzen l\u00e4sst. Und die Klientel will ja Spielen und nicht direkt Krieg f\u00fchren wie viele analoge Automaten dann eher tun. Und selbst da wo Krieg gef\u00fchrt wird wie etwa bei Battle Tank &#8211; ist es nun die Zukunft als verfremdendes Fantasyelement. <\/p>\n\n\n\n<p>Dabei geht auch die Grafikgestaltung diesen anderen Weg. Zum einen technisch, weil nicht viel m\u00f6glich war, aber auch inhaltlich. Die Games orientieren sich nicht an zeitgen\u00f6ssischem Design &#8211; keine Abstraktion sondern m\u00f6glichst viel &#8218;Realismus&#8216;. Die Welten die hier erfunden sind mehr Plattencovers, Comicvorlagen als Upperclasskunst oder Design. Sie sind geradezu Gegenstatements. Hier soll sich eingef\u00fchlt werden und nicht nachgedacht \u00fcber das Abstrakte. Die Flucht hier geht nicht weg ins Abstrakte sondern ins &#8222;digital Konkrete&#8220; (was nichts mit der Algorithmischen Kunst zu tun hat oder D\u00f6hl). Und es ist dann eben auch digitaler Biedermeier. Eine h\u00f6chst fragile Ausdrucksform, die nur im Fantasy bestand hat und draussen im Alltag jeden Moment zerf\u00e4llt. Denn niemand* l\u00e4uft in Lederschurz herum, im Games ist es aber m\u00f6glich. Es bleibt einem keine andere Wahl. Hier trifft die Einfachheit.<\/p>\n\n\n\n<p>Nimmt man diese Lesart (die selbstverst\u00e4ndlich nicht alle Games dieser Jahre abbildet) so erscheint fast alles an Games (bis auf die Technik) als Fantasy. Die Grafik die Geschichten, die Musik. Dabei verstellt die Technologie oft den Blick diese Konstruktion. <\/p>\n\n\n\n<p>Anders gesagt: Im Fantasy der Games mit ihrer Vereinfachung und Fiktion kann der Traum des Tellerw\u00e4schers noch digitale gelebt werden. Denn der Masse ist klar: Ihre Chancen werden nicht besser. F\u00fcr die Kids jener Zeit ist das Fantasy-Genre Game eine neue Welt mit eigenen Regeln, die ihnen helfen \u00fcber die Runden zu kommen. Es erm\u00f6glicht indivdualistische Heldenreisen jenseits der gesellschaftlich vorgebenenen. Selbstverst\u00e4ndlich werden sie auch hier geg\u00e4ngelt, erm\u00f6glicht nur die freiwillige Diktatur des Spiels ihnen diesen Raum. Aber und das ist anfangs wichtig, es ist ihr Raum. Er ist (noch) nicht politisch durchsetzt. Auch wenn seine Fantasy-Regeln oft politische Wunschtr\u00e4ume pur sind. Ihre Alltagsfragilit\u00e4t kann hier gelebt werden, das Fehler machen etwa (vgl. Jesper Juuls Buch dazu) ist hier m\u00f6glich. <\/p>\n\n\n\n<p>Fantasy ist auch in dieser Form (und wird es viel sp\u00e4ter in RolePlays und Mittelalterfesten) nur privat m\u00f6glich, weil es \u00f6ffentlich l\u00e4cherlich w\u00e4re. Es kollidiert mit der analogen durchrationalisierten und dennoch mysthischen Welt des Kapitalismus. Und dennoch ist es eine selbstverst\u00e4ndlich eine Herrschaftsform des Kapitalismus das Private. <\/p>\n\n\n\n<p>Es ist dieser Weg den damals die Gamekultur einschlug und der vielleicht bis heute zu beobachten ist &#8211; indem die Gamekultur eine eigene geblieben ist &#8211; visuell wie auch spielmechanisch. Eine Abspaltung oder anders ein neues Territorium &#8211; dessen Rahmen der Kapitalismus bildet, in dessen Innern eine weltweite Community oft zur\u00fcckkehrt und ein einiges Fantasyvolk ist.  Abgeschirmt und digital m\u00e4chtig aber politisch (noch) unbedeutend. <\/p>\n\n\n\n<p>Anders gesagt: Bis heute zahlen die Spieler* Tribut mitels Geld oder Werbung an das kapitalistische System, um ein bisschen privat oder in Gruppen &#8222;frei sein&#8220; bzw &#8222;fairen Wettbewerb&#8220; spielen zu d\u00fcrfen.<\/p>\n\n\n\n<p>\/\/ ToDo: Vergleich die Themen von Pinballs &#8211; oft auch allt\u00e4glichere Themen<br>\/\/ ToDo: Vergleiche dazu Elearning System Plato und die Spiele da (Gated Universtity Community)<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Ren\u00e9 Bauer, (Hiloko Kato, Beat Suter) Schaut man sich die ersten Games der Arcades und 8BitHomecomputerzeiten an, wird ein Bruch sichtbar mit vielen elektromechanischen analogen Arcades. Auch die . Sie handeln weit weniger von Krieg und sind weit weniger Simulationen. Diese Automaten waren oft mechanische Simulationen &#8211; anders wird es mit den digitalen Spielen. Ihre [&hellip;]<\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[1],"tags":[],"class_list":["post-5298","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-uncategorized"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/research.swissdigitization.ch\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/5298","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/research.swissdigitization.ch\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/research.swissdigitization.ch\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/research.swissdigitization.ch\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/research.swissdigitization.ch\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=5298"}],"version-history":[{"count":4,"href":"https:\/\/research.swissdigitization.ch\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/5298\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":5302,"href":"https:\/\/research.swissdigitization.ch\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/5298\/revisions\/5302"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/research.swissdigitization.ch\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=5298"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/research.swissdigitization.ch\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=5298"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/research.swissdigitization.ch\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=5298"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}