{"id":5633,"date":"2025-08-22T08:47:44","date_gmt":"2025-08-22T08:47:44","guid":{"rendered":"https:\/\/research.swissdigitization.ch\/?p=5633"},"modified":"2025-08-27T08:43:03","modified_gmt":"2025-08-27T08:43:03","slug":"das-digital-autonome-jugenzentrum-digitale-games-gamedev-cracker-demoscene-und-oder-mediaart-eigene-regeln-in-konsum-und-konstruktion","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/research.swissdigitization.ch\/?p=5633","title":{"rendered":"Das (digital) autonome Jugenzentrum: Digitale Games, GameDev-, Cracker-, Demoscene und\/oder MediaArt &#8211; eigene Regeln in Konsum und Konstruktion oder der SafeSpace [Notiz]"},"content":{"rendered":"\n<p>Eigentlich fordert die 80er Jahre Jugend, die nicht schon zufrieden ist mit dem Bestehenden, nichts mehr als eigene MagicCircles, R\u00e4ume mit eigene Regeln, da soll passieren, was sich diese Jugend\/Junge Erwachsenen W\u00fcnschen. Der Unwille einfach weiterzumachen, ist vermutlich darum so gross, weil es keine Utopien mehr gibt, weil diese Utopien gerade ausgedient haben zwischen Nationalsozialisten, Konservativen, nicht funktionierendem realexistierendem Kommunismus und sozialer Marktwirschaft (die gegen letzteren in Stellunge braucht wurde). Das System hatte sich verschoben in Richtung Regeln und Markt. Die Jugend wollte ihre eigenen Regeln, eigene Regelwerke, nicht die ausgedienten. <\/p>\n\n\n\n<p>Und so forderten die Jugendliche\/Erwachsene im Lokalen neue eigene Regeln. Sie forderten Play-Fields (vom Englischen Play Sandkasten). Orte, wo sie leben konnten, wo ihre Regeln galten. Es war keine Revolution von allem mehr m\u00f6glich (wie das Sarasin in seinem Buch 1977 feststellt) oder vielleicht sogar gewollt. Es war eher die Idee vom linkslibert\u00e4ren Flecken &#8218;Hier wollte man in Ruhe gelassen werden, Experimentieren&#8216;. (68 hatte auch nichts gebracht.) Das ist auch der Grund warum es so lokal wurde, das grosse Ganze war nicht mehr zu retten, es sollte noch 10 Jahre gehen bis dann die schlechtest m\u00f6gliche Alternative die UDSSR das zeitliche segnete. Es war eine analoge L\u00f6sung f\u00fcr ein gr\u00f6sseres Problem.<\/p>\n\n\n\n<p>Und denselben Impetus f\u00fchrt aber auch in eine andere Richtung n\u00e4mlich ins Digitale. Wie die fr\u00fcheren Bewegungen sich ein Medium vereinnahmten &#8211; wie etwa den Buchdruck und die Reformation, sp\u00e4ter die b\u00fcrgerliche Kultur im Allgemeinen, so nutzte ein Teil der Gesellschaft den Computer als M\u00f6glichkeitsraum statt dem Analogen. Hier waren die Regeln frei, die Gesellschaft maximal uninteressiert, der Raum nicht hierarchisiert und ebenfalls eine Regelwelt. Auch hier konnte experimentiert werden &#8211; Kommunikationsformen wie Disketten, BBS oder Internet\/Telnet, Email sp\u00e4ter WWW inbegriffen. Hier gab es keinen Widerstand. Das neue Land musste nur gegen das Analoge abgeschottet werden. M\u00f6glichst keine Br\u00fccken. Selbst der Kapitalismus schaffte es zwar sich auszubreiten, aber auch das f\u00fchrte nicht zur Integration in die Kultur. Der pure digitale Raum bliebt sein eigenes System mit seinen eigenen visuellen Stilen, Kulturen, Sprachen. Wenn die Gamer* , GameDevs* (sie sahen hier ein zuk\u00fcnftiges Einkommen), Cracker* und Demoscenler* hier aussagen: Wir waren die Zukunft und die anderen (Analogen) die Vergangenheit, dann ist das ernst zu nehmen. Es ist ein radikaler Bruch, wie es ihn damals auch der Buchdruck darstellte mit seinem Textprogramm (vgl. Giesecke). Wobei der Buchdruck zu einem m\u00e4chtigen Instrument der Kritik am System wurde (Stratifizierte Gesellschaft\/Kirche) und anschliessend zur B\u00fcrgertumswaffe, aber auch Kritik blieb.  <\/p>\n\n\n\n<p>Die rein Digitalen (nicht Digitalisierung) nahmen letztlich auch den lokalen Raum ein, einen privatisierten lokalen Raum &#8211; den Computer zu hause. Sie versuchten nicht ein neues Kino in der Stadtg\u00e4rtnerei oder andere Arten von Konzerten oder Gemeinschaft, so sie funktionierten gest\u00fctzt rein auf das digitale, das war ihr Medium, es gab insofern wenig anzueignen, sondern eher alles neu und anders zu erf\u00fcllen (auch wenn man sich in der Musik und bei Plattencovers bediente. Es ist eine eigene Kultur entstanden (wie auch in den AJZs). Sie waren aber gleichzeitig sehr lokal und doch International. Dies mag nicht f\u00fcr alle Communities gleich gelten &#8211; etwa UK (wo alles gleichzeitig auch Entwicklerm\u00e4ssig sehr lokal war). Gespielt und produziert wurde aber weltweit. Das Digitale machte es m\u00f6glich, dass sich lokale Grupppen innerhalb einer Stadt wie Basel nicht kannten (Atlantis \/ Brainstorm)! Denn sie traten nie &#8218;einer \u00d6ffentlichkeit&#8216; auf, nein sie waren eher bekannt in einer digitalen Community. Das Lokale war im Pur-Digitalen nicht mehr n\u00f6tig.<\/p>\n\n\n\n<p>Man kann vielleicht  mit gen\u00fcgend Fakten eines Tages sagen &#8211; was heute eher eine starke Vermutung ist, dass es hier zwei kritische Scenen in der Gesellschaft gab, die ganz bewusst auf neue Regeln setzten, neue Medien suchten (von der Videokamera bis zum Computer), die einen lokaler analoger, die anderen weltweit digitaler. Der konkrete Hintergrund bleibt ein \u00e4hnlicher: Regelwerke und damit auch kybernetische Regelwerke. <\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Eigentlich fordert die 80er Jahre Jugend, die nicht schon zufrieden ist mit dem Bestehenden, nichts mehr als eigene MagicCircles, R\u00e4ume mit eigene Regeln, da soll passieren, was sich diese Jugend\/Junge Erwachsenen W\u00fcnschen. 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