Begriff „Industrie“ im Schweizer Gamedesign [Aktuell]

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Zunehmend wird der Begriff „Industrie“ verwendet im Bereich des Gamedesigns in CH. Etwa im folgenden Artikel/TV-Beitrag zum neu eröffneten Gamehub von den Machern selbst (aber er taucht auch in Gesprächen, Selbstbeschreibungen auf):

https://www.srf.ch/play/tv/schweiz-aktuell/video/zu-besuch-im-swiss-game-hub?urn=urn:srf:video:d4337c75-5498-4693-a2cb-fb63c16e659c

Der Begriff wird hier bewusst benutzt. Es scheint als Abgrenzung – als eine Art „positives“ Label – zu sein. Er folgt damit dem längeren Diskurs der „Kreativwirtsschaf/-industrie“. Einem Begriff, der eingeführt wurde, um zu zeigen: „Wir sind wichtig, wir setzen soviel um“. Dabei geht es auch um einen Sammelbegriff, da die Kreativbranche meist aus vielen kleinen Betrieben besteht (im Vergleich zu Sony, ABB etc) und damit nicht unbedingt dem Konzept von Industrie entspricht.

Industrie


Normalerweise wird der Begriff Industrie vorallem für die Grossindustrie verwendet. Also Unternehmen mit 100+ oder eher 1000+ Mitarbeiter, die im grossen Stil Produkte herstellen. Massenprodukte.Der durchschnittliche Betrieb mit 5-15 Mitarbeitern sieht sich dagegen eher als „Mittelständler“ – auch wenn viel produziert wird. In der Kategorie „Industrie“ gibt es wenige in CH – vielleicht GIANTS und die FUMINA(?) – 40+.

Aspekt Einfluss lokal

Ein weiterer Aspekt, der sich hinter „Industrie“ verbirgt, ist die schiere Grösse. Die Möglichkeit des Einflusses in der analogen Realität. Wie macht man Lobby, wie kauft man sich ein in die Politik. In diesem Bereich gibt es sicherlich keine wirkliche Gameindustrie in der Schweiz. Der Einfluss ist marginal in der Schweiz soweit bekannt. Dieser Aspekt ist interessanter, als dass die Firmen in den digitalen Welten geradezu Schwergewichte sind etwa Giants – in ihrer analogen Repräsentation aber nicht unbedingt ihrem Marktvolumen entsprechen.

„Gameindustrie“ im Vergleich

Zwar kann man sagen, dass die Gamedev-Scene enorm viel produziert (produzieren = kopieren), aber das tut der Schraubenproduzent in Niederbayern auch. Auch die Art der Produktion ist nicht unbedingt Industriell – ausser man sagt, die Produktion ist industriell++, weil ja nicht mal mehr produziert wird, sondern nur kopiert. Auf jeden Fall ist der allgemeine Begriff „Industrie“ kein positiver, er steht für entindividualisierte Produktion. Dies ändert sich selbstverständlich mit der Industrie-Produktion on „Demand“.

Gameindustrie Teil der Kultur- und Unterhaltungsindustrie

Die Games sind natürlich auch Teil der Unterhaltungsbranche. Dieser Aspekt wird interesanterweise oft ausgeblendet. Hier gibt es den leicht abschätzigen Begriff der Unterhaltungsindustrie. Games sind Teil der Kreativindustrie wie auch der Unterhaltungsindustrie und bringen damit zwei verschiedene Kulturen in einer mit: die digitalen Welten.

Abgrenzungsbegriff

Neben all dem. Gegen was differenziert sich dieser Begriff noch? Vermutlich – so lassen sich zumindest viele Kommentare lesen – setzt sich dieser Begriff als Community von denen ab, die kein Geld mit Games verdienen. Also all die anderen, die freien (kulturellen) GameDevs? Die, welche nur aus Spass Games machen und nicht davon leben zum Beispiel – also nicht kommerziell „organisiert“ sind?

Dabei bleibt eine Frage virulent: Warum ensteht hier eine Differenzierung basiert auf kapitalistischen Werten? Und nicht nach anderen Gesichtspunkten?

// ToDo: Weitere Quotes sammeln und/oder eine Umfrage.

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