Endlich gefunden: Ein Hypercard/Hyperstack Spiel aus der Schweiz – „Schiffli versenken“ 1993 – Hier wird 1×1 gerechnet, um spielen zu können (GatedGame)

Hypercard 1987 war eine der ganz grossen Erfindungen der 80er Jahre im Massenmedienbereich. Es war 1. ein Hypertext System, brachte also die neue Textform/Multimodale Text unters Volk lange vor dem WWW und 2. war es einfach bedienbar. Leider gibt es wenig übriggebliebenes aus jener Zeit. Weil die meisten Sachen nicht klassisch publiziert wurden sondern eher für den Eigengebrauch benutzt wurden. Einen Nachfolger dieser einfachen Art Hypertext zu erstellen ist weiterhin nicht in Sicht. Es ist eher so, dass Hypertext immer mehr an Einfluss verliert. Heutige NewsTexte sind auch immer weniger mit Links versehen – Links sieht man eher meist rundum den Text aber nicht mehr im Text.

Das nicht alles weg ist, verdanken wir auch hier archive.org. Hier gibt es doch noch einige Hyperstacks, wie man die Software zu Hypercard nannte:
https://archive.org/details/hypercardstacks

„Schiffli versenken“ von Markus Koller, 3309 Kernenried, 1993

Und hier gibt es auch tatsächlich ein Spiel aus der Schweiz „Schiffli versenken“ von Markus Koller, der das auch vertrieben zu haben scheint. Die Person selbst konnte nicht kontaktiert werden, leider. Also lieber Markus, melde dich bei uns, wenn du Zeit hast.

Zum Spiel, das Spiel ist kein gewöhnliches Schiffli versenken, sondern eigentlich ein Mathelernspielschiffliversenken. Denn, für diese Zeit durchaus ungewöhnlich – soweit bekannt – bei jedem Aufdecken, muss einen Rechenaufgabe gelöst werden. Dies erfährt man in der Spielanleitung.

Im konkreten Gameplay ist das dann folgendermassen.

Drückt man auf ein Feld, wird unten die Aufgabe eingelbende.

Macht man es richtig, so wird das Feld angezeigt, falls man es falsch macht, dann gibt es einen Rechenfehler.

Die Spielmechanik dahinter ist eigentlich doppelt. Menschen möchten ein Spiel spielen. Damit sie Züge machen können, müssen sie Aufgaben lösen. Anders gesagt: Das Spielen ist die Belohnung für Rechenaufgaben.

Dieses Konzept hat bis heute überlebt. Es gibt es nun auch recht komplexer grafisch. Interessant wird sein hineinzuschauen und zu sehen, woher Koller die Ideen hatte, oder ob es sich um eines der ersten Spiele dieser Art handelt (soweit wir wissen).

Moderenes Beispiel: MathHero

Wobei in diesem Fall dann direkt ein Befehl ausgeführt wird, es ist dann kein Zusatzspiel dahinter versteckt. Motivationstechnisch geht es aber um etwas Ähnliches. Power gegen Rechnen. Rechnen empowered den Spielenden.
https://apps.apple.com/de/app/mathhero-mathe-spiele/id1534886813

Let’s play

Spielen kann man das Spiel online hier (Zuerst auf der Disk Hypercard starten und dann Datei laden und dort das „Schiffli versenken“ angeben ): https://archive.org/details/hypercard_schiffli-versenken

Achtung: Wenn die Eingabe der Zahlen nicht funktioniert, dann Shift drücken und nochmals probieren!

Background: Informationen aus einer EMail-Konversation von Markus Koller an Beat Suter

Das Spiel wurde als Lernspiel entwickelt. Es gab weitere 12 HyperCard Lernspiele. Diese wurden mit dem Ende von Hypercard auf Director portiert und weitervertrieben. Das Ganze lief organisatorisch über eine eigene Firma mit zwei seiner Lehrkollegen: XILEP GmbH. Einen Webseiten-Shot findet man noch von 2008: https://web.archive.org/web/20080306032258/http://www.kilep.ch/. Die Software wurde durch die Kanäle: Wir hatten verschiedene Kanäle: Letec (Zürich), Medienwerkstatt Mühlacker Bern, Lehrmittelverlag vertrieben. Die Lieferung erfolgte direkt über XILEP. Es wird interessant sein, zu sehen, was die anderen Spiele waren und ob sie ähnlich funktionierten. Die Firma wurde 2013 eingestellt.. als Markus Koller in Pension ging.

„Schiffli Versenken“ Hintergründe

[…]

Suter: Wann haben sie begonnen, ihr Spiel zu entwickeln?
Koller: Ganz genau kann ich das nicht mehr sagen. Ich hatte 1988 ersten Kontakt mit dem Mac Plus. HyperCard kam verm. etwa 1990. Da sind 2 meiner Lehrerkollegen und ich sofort hellhörig geworden und haben begonnen für unsere Schüler Lernprogramme in spielerischer Form zu programmieren. Es ging dabei immer um der Einsatz im Unterricht und zu Übungszwecken zuhause.

Suter: Wann wurde es festgestellt?
Koller: Keine Ahnung mehr. Ich weiss auch nicht mehr in welcher Reihenfolge die Programme entstanden.

Suter: Wurde es eventuell in Schulen eingesetzt? 
Koller: Dafür haben wir die Lernprogramme entwickelt.

Suter: Welches Feedback haben sie auf ihr Spiel erhalten?
Koller: Meistens gute. Die Idee war ja das Spiel mit Kopfrechnungen zu verknüpfen.

Suter: Wie sind sie darauf gekommen, dieses Spiel zu schreiben?
Koller: Ziel war immer der individualisierende Unterricht.

Suter: Wie sind sie dazu gekommen, Hypercard zu diesem Zweck zu verwenden?
Koller: HC war sehr einfach zu programmieren und genau auf dem Mac zugeschnitten.

[…]

Konzept: Weitere Recherche zum Thema

Munchers (https://en.wikipedia.org/wiki/Munchers) scheint in ähnliche Richtung zu gehen. Hier muss man aber als Avatar dann die Viererreihe ablaufen und es gibt Gegner im Raster.

Hmmm ist vermutlich nicht als direkter Vorläufer zu betrachten. Da hier ja gerade gespielt wird im Feld.

Ein anderes Beispiel wäre: Math Blaster 1983

Aber auch hier, geht es nicht eigentlich um Rechnen für Aktionpunkte, um zu spielen.

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